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Erzählungen der "Alte Kirche"

Da unsere Kirche ja bereits über 300 Jahre alt ist, kommt sie in der Reihe der "Alten Kirche" bei uns zu Wort.

Sie erzählt uns Geschichten, teilweise in Reimform von früher und heute, was sie alles erlebt hat oder was sie besonders freut. Diese Geschichten werden von Ursula Wiebe geschrieben. Sie sind in unseren Gemeindebriefen gedruckt und können dort nachgelesen werden.

Hier ein Auszug aus der Reihe: 

ALTE KIRCHE im Herbst 2013

Der warme Sommer hat erfreut mich sehr, entschädigte für vorher lange kalte Zeit.
Es kamen viele Interessierte zu mir her, erlebte Dank, viel Freude und auch Traurigkeit.
Es war ein Schock, als Willehadi brannte, ich sah den Feuerschein in jener Nacht.
Die Kirche ich nur vom Erzählen kannte, oh, wie betroffen hat mich das gemacht !
Der Bronze-Jesus, hört ich, unversehrt, und auch der hohe Turm steht stolz noch da.
Zählt für mich nicht der materielle Wert: Der Herrgott wacht, was immer auch geschah.
„Er steht uns bei, auch in der größten Not."
Das hör Besucher ich hier öfter sagen:
„Wir sitzen alle doch in einem Boot und suchen Schutz in vielen Lebenslagen."

Mir gefiel es neulich sehr, als sich eine Gruppe zusammen stellte und sang : ‚Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt, muss eine Mannschaft sein, sonst ist man auf der weiten Fahrt verloren und allein. Ein jeder stehe, wo er steht und tue seine Pflicht. Wenn er sein Teil nicht treu erfüllt, gelingt das Ganze nicht. Und was die Mannschaft auf dem Schiff ganz eng zusammen schweißt in Glaube, Hoffnung, Zuversicht, ist Gottes guter Geist.‘ Der wird sicher auch ganz intensiv in mir wehen, wenn demnächst einige Nachfahren der Erbauer-Familie Voigt mich besuchen. Eine ganze Gruppe kommt vom Gut Neuhof, wo sich jährlich ein Familienverband trifft. Ich freue mich schon darauf. Das Gut Neuhof erwarb mein Stifter gleich nach meiner Einweihung. Dort lebte er dann bis zu seinem Tode 1707. Aus Frankreich kommt auch eine Nachfahrin, Frau von Voigt, zu Besuch. Sie ist besonders am Orgelklang interessiert, aber ich denke, sie wird mich auch gern betrachten und sich bestimmt wohlfühlen. Das taten zwei Besucher auch, die viel Zeit in mir verbrachten. Doch plötzlich war es vorbei mit der Harmonie. „Stell dir mal vor, 32 Jahrzehnte hat diese Kirche nächstes Jahr hinter sich" sagte der Mann, und ich war gerührt, dass er mein Alter genau wusste. „Sag mal, willst du mich veräppeln, die Kirche ist doch viel älter als 319 Jahre, du kannst wohl nicht rechnen?" Die Frau sah ihren Begleiter ganz vorwurfsvoll an, denn sie war inzwischen in meinem Turmraum und stand vor den Wappen-Tafeln in der Ostseiten-Nische. „1593 steht hier ganz groß, das kann man doch gar nicht übersehen." Daraufhin wurden die vier steinernen Darstellungen von den beiden genauer beäugt. Und sie entdeckten dabei auf der linken Platte einen Mönch mit Wanderstab. „Stand hier vielleicht früher ein Kloster?" überlegten sie laut und woll-ten zu Hause einmal im Inter-net nachschauen. - Ihr mit eurem Internet, wie oft höre ich von Besuchern „Das weiß ich da und daher, ich habe dies und das als Suche eingegeben … O.k., es ist ja auch für etwas gut, denn viele Inte-ressierte, die hier zu mir rein kommen, haben etwas über mich gelesen und sind neugie-rig geworden. Ich, die ALTE KIRCHE, soll da wohl auch recht gut vorgestellt und be-schrieben sein. - Für mich ist der Mönch übrigens ein weiterer Grund für meine Annahme, dass ich eigentlich eine Pilger-Kirche bin. Ich hatte das schon einmal erklärt, als meine Jakobs-Muscheln Thema waren … Wann die Platten an meine Ostseite in den Turmraum kamen, kann ich euch nicht genau sagen. Ich meine aber, dass sie nach der Totenkammer-Räumung bei der Wiederherrichtung des Raumes angebracht wurden. Vorher lagerten sie im alten Pfarrschuppen und wurden nicht beachtet. Die Nische, in der ganz früher eigentlich meine Eingangstür gedacht war – mit dem wunderbaren Altarblick - sollte verschönert werden, bekam Stufen und Tischabsatz, gedacht als eine Art kleiner Al-tar für Andachten. Ich kann dazu nur erklären, dass es sich um die steinernen Wappen der Familie von Münchhausen aus Aerzen (Nähe Hameln) handelt. Der Bruder meines Erbauers, Jobst-Heinrich Voigt, war Amtmann dort, und so wird die Verbindung entstanden sein. (Ich verspreche euch, der Sache wird nachgegangen !) Vor mir stand hier kein Kloster, aber es gab sehr wohl die Verbindung zum Zisterzien-serkloster in Loccum. Man sagt, dass die Familie Mü(ö)nchhausen, die schon 1183 urkundlich erwähnt wird und ihr Stammhaus in der Nähe von Loccum hatte, ein reden-des Wappen führte: Immer zierte ein Mönch das Schildbild, oft wurde er auch als Helmzier dargestellt. Es handelt sich um einen halbrechts gekehrten Zisterzienser-Mönch in Kutte mit herab hängender Kapuze. In der rechten Hand hält er einen oben gekrümmten Stab, in der linken einen Riemen, der das Brevier in einem Futteral hält. Das war ein Buch mit den Stundengebeten in der Kirche. 1593 ließ Hilmar v. Mü(ö)hausen, der Jüngere, Schloss Schwöbber bei Aerzen bauen, das mit den gleichen Wappen-bildern verziert war (es lohnt sich übrigens, sie alle vier ein-mal näher in mir zu betrachten). Indirekt hat ein Nachfah-re, der berühmte Lügenbaron Karl-Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen, (1720-1797) etwas mit mir zu tun. Ist das nicht auch für euch interessant ?
Dankbar für die vielen bereichernden Begegnungen verbleibe ich mit spätsommerlichen Grüßen eure ALTE KIRCHE

i.A. U. Wiebe