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Unsere Barockkirche

Unsere Gemeinde verdankt ihre schöne Kirche der Großzügigkeit des frommen und tatkräftigen Amtmannes Johann Georg Voigt, der sie , ebenso wie Schule und Pfarrhaus, auf eigene Kosten errichten ließ. Nach nur zweijähriger Bauzeit konnte sie 1694 eingeweiht werden. Dabei wurde ihm und seinen Nachkommen das Patronatsrecht verliehen, das erst 1954 aufgehoben wurde. 

Das äußerlich schlichte Bauwerk überrascht durch die italienisch beeinflusste üppige barocke Ausgestaltung des Innenraumes mit dem für seine Zeit einzigartigen Kanzelaltar mit Orgel; eine Einheit, die nicht nur als Kunstwerk beeindruckt, sondern aufs Schönste den lutherischen Gedanken von der Verkündigung als Kernstück des Gottesdienstes erlebbar macht. Leider sind die Namen der Architekten und Kunsthandwerker nicht überliefert, aber man darf wohl zumindest den Einfluss der damals in Hannover tätigen italienischen Baumeister Crotogino und Perinetti vermuten. 

Der Innenraum der Kirche hat im Laufe der Jahrhunderte nur wenig Veränderungen erfahren. Um für die wachsende Gemeinde mehr Sitzplätze zu schaffen, wurden schon Anfang des 18.Jhdts. die Prichen im Altarraum eingebaut und das gesamte Gestühl seither mehrfach erneuert. Als 1882 die barocke Orgel defekt war, ließ der bekannte Kirchenbaumeister C.W.Hase die westliche Herrschafts-Empore für ein neues, größeres Instrument durch einen Vorbau erweitern. Anfang der sechziger Jahre wurden diese Veränderungen rückgängig gemacht und die Orgel wieder in den Prospekt über dem Altar eingebaut. Da diese mit der Zeit sanierungsbedürftig geworden war, erklingt nun seit Dezember 2000 ein neues zweimanualiges Instrument. Hier können nun wieder die beliebten Konzerte stattfinden. 

Weit schwerwiegender waren die Veränderungen am Äußeren des Gebäudes. In kurzer Bauzeit auf einer 70x70 m Sanddüne errichtet, gab es von Anfang an große statische Probleme.

Der Turm und das gleichbreite Langhaus nehmen eine Grundfläche von 32x11 m ein. Bei der schmaleren, nach Osten noch 1,15 m vorspringendenen Sakristei, war der Giebel früher barock gestaltet. Dieser musste aber wegen Schwierigkeiten bei der Erhaltung schon bald bis zur Dachschräge abgenommen werden. Die dicken Mauern der Kirche sind aus Ziegelsteinen errichtet, die gewiss aus familien- oder amtseigenen Ziegeleien stammen. Der Putz ist rau und ziegelrot gestrichen. Die äußeren Ecken des Baues und die Umrandungen der Eingangstüren und der Fenster sind mit beigefarbenen Quadersteinen verziert.



Der Turm wird nach der ersten Etage achteckig. Ehemals war er in vier sich verjüngenden Stockwerken erbaut.Wegen der bereits erwähnten statischen Probleme und auftretender großer Risse im Turm, musste er innen durch Stützpfeiler gesichert werden und hat nach einigen Veränderungen dann 1815/16 die heutige Form erhalten. Der gesamte Bau ist mit roten Tonziegeln gedeckt. Die Turmbekrönung wurde 1992 erneuert. Sie besteht aus einem Kreuz und einer Wetterfahne mit Hahn, den drei Rosen aus dem Voigt`schen Wappen und der Jahreszahl 1694. Die Höhe beträgt 2,90 m ab Turmspitze. Durch die Blattvergoldung hat sie nicht nur ein glänzendes Aussehen, sondern auch den besten Schutz gegen die Witterung.

Über dem Südportal stehen in einer Sandsteinkartusche die Worte "UT SCOPI MEMORES" (Bedenket das Ziel), die uns auf den Übergang vom irdichen zum himmlischen Leben hinweisen sollen und von einem starken Glauben des J.G. Voigt Zeugnis geben. Darüber ist das Familienwappen zu sehen.

In den fünfziger Jahren war der Gesamtzustand des Gebäudes so marode, dass sogar ein Abriss erwogen wurde. Durch eine grundlegende Bausanierung und Restaurierung des Innenraumes in den Jahren 1959-62 konnte dieses Schicksal abgewendet werden, zur großen Freude und Dankbarkeit der evangelischen und katholischen Christen in Schloß Ricklingen, die in diesem Schmuckstück der Kirchenbaukunst ihre Gottesdienste feiern. (die kath. Christen gehören seit 2007 nach Garbsen).

Im Jahre 2014/2015 wurde eine größere Sanierung der Kirche notwendig. War zunächst nur geplant, die Heizung zu erneuern, kamen eine Vielzahl an zusätzlichen Maßnahmen im Laufe der Arbeiten dazu. So wurde die Elektroninstallation erneuert, die Beleuchtung des Kirchenschiffes und der Deckengewölbe auf LED umgebaut und die Kirchenbänke renoviert. Immer wieder kamen Baumängel zum Vorschein, die trotz Voruntersuchungen erst später zu erkennen waren. In diesem Rahmen mussten auch die Bilder und Bemalung des Kirchengewölbes gereinigt und teilweise repariert werden. Mit langer Verspätung und einer Investition von rund 300.000 EURO konnte die Konfirmation 2015 wieder in der frisch renovierten Kirche stattfinden. Doch kaum klangen die Glocken wieder, fiel im Turmraum plötzlich ein großes Teil Stuck von der Decke. Grund dafür waren verrostete Nägel, die zur Fixierung des Stucks gedacht waren aber ihre Tragfähigkeit im Laufe der Jahre verloren hatten. Weitere 33.000 EUR mussten für die Sanierungsarbeiten investiert werden.