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Viele Pläne: Zur Vorgeschichte des neuen Instrumentes

Über die Anfänge der vom Amtmann Johann Georg Voigt gestifteten Schloß Ricklinger Barockkirche sind wir nicht sonderlich gut informiert, auch wenn vom Einweihungsgottesdienst der Predigttext sowie zeitgenössische Augenzeugenberichte erhalten sind. So gibt es eine "Kurtze Spezification des gantzen Actus, insonderheit der Gesänge/so bey der Inauguration der neuen Kirchen zu Ricklingen abgesungen", in der fünfmal davon gesprochen wird, dass "musiziert" wurde, aber mit welchen Instrumenten, das bleibt offen. Sicher ist nur, dass die Kirche im Jahre 1694 nach nur etwa zwei Jahren Bauzeit fertig gestellt wurde, ob beim ersten Gottesdienst auch eine Orgel erklang, wissen wir nicht. Ein Zeitzeuge reimte:

    Ja herrlich ausgeführt / dass alle die nur sehen / Dieß wehrte Gottes Hauß / verwundernd bleiben stehen /    
   Weil Cantzel /Tauff / Altar / samt Orgel und dem Chor / Und was man sonst hier sieht / sich zeigt in vollem Flor.

Trotzdem hat mancher, der sich mit der Kirche näher beschäftigte, rückwirkend Zweifel gehabt, ob die ungewöhnliche Einheit von Altar, Kanzel und Orgelprospekt von Anfang an gegeben war oder ob letzterer nicht einige Jahre später ergänzt worden ist. Wer den Schloß Ricklinger Prachtaltar genauer betrachtet, wird nämlich feststellen, dass der Orgelprospekt nur Ornamente enthält, die in den beiden unteren Dritteln nicht vorkommen! Die gesamte Anlage wirkt in höchstem Maße einheitlich, die Ornamentik des oberen Orgel-Drittels ist jedoch nur ähnlich, nicht identisch mit Altar und Kanzel. Möglicherweise ist hier ein Künstler am Werk gewesen, der es verstand, eine eigene Handschrift zu bewahren und gleichzeitig ein sehr harmonisch wirkendes Gesamtensemble zu schaffen.

 

Die ältesten Informationen über die Schloß Ricklinger Orgel können wir dem "Contract" entnehmen, den der Kirchenvorstand 1859 mit dem Hannoverschen Orgelbauer Altendorf schloss. Es heißt dort u.a. in § 2:
"Insbesondere verspricht der Orgelbauer Altendorf, die ganze Orgel mit allen einzelnen Theilen genau nachzusehen und auszubessern, und namentlich
a) an den Windladen und Windkanälen alles Nachtheilige und Schadhafte zu entfernen und wieder in Stand zu bringen;
b) die drei Bälgen zu 18 Zoll Aufgang einzurichten, zu beledern und an der westlichen Seite durch eine leichte Bretterverschalung zu schützen;
c) die Klaviatur, Registratur und Abstractur in gehöriger Weise zu verbessern;
d) die im Prospect stehenden Pfeifen mit Staniol neu zu belegen;
e) das sämtliche in der Orgel bleibende ältere Pfeifwerk, das    
    im Manuale aus Prinzipal 4 Fuß,    
    im Manuale aus Prinzipal Quinte 3'    
    im Manuale aus Prinzipal Octave 2' und im Pedale aus Rohrflöte 8'    
    im Pedale aus Prinzipal 4' besteht,    
in gehörigen Stand zu setzen und die vorhandene Blockflöte 4' und das Gedackt 8' charaktergemäß einzurichten und zu intonieren; f) dann für die ausfallenden Register    
    im Manuale Spitzflöte 2', Mixtur 1' 4fach und Trompete 8',    
    im Pedale Bauernflöte 1', Tromp. 8' und Dulcian 16'  
    und für den Nebenzug: Tremulant  folgende Register neu und zweckmäßig einzurichten:    
    im Manuale: Bordun 16' mit G anfangend bis c' Holz und dann 4löthig Zinn, Mixtur 2' dreifach (cge) repariert auf c' und c" 
    mit 1' Ton, 4-löthig Zinn,  
    im Pedale: Subbaß 16' Tannenholz und Octave 8' desgl.
Wegen Mangel an Raum dürfen die Pfeifen der beiden 16' Register in der Tiefe gekröpft und die drei tieferen Töne der neuen Octave 8' gedeckt werden." Man sieht, es war keine große Orgel (sechs Register im Manual, drei im Pedal) und es gab von Anfang an Raumprobleme, weshalb die längsten Pfeifen (16 Fuß) gekröpft (geknickt) werden mussten. Mit den vier von Altendorf neu eingebauten Registern bekam das Instrument insgesamt mehr Fundament. Eine spätere Beschreibung dieser Orgel (aus dem Jahre 1926) weicht stellenweise von den Angaben im "Contract" ab, so hat es möglicherweise im Manual wohl auch eine Trompete (8') und im Pedal drei weitere Register gegeben. Ob eine der Quellen unzuverlässig ist oder ob es nach 1859 weitere nicht dokumentierte Umbauten bzw. Ergänzungen gegeben hat, muss offen bleiben.


Im Jahre 1882, als der Zustand der Orgel zunehmend beklagt wurde, gab es einen gravierenden Eingriff: auf der rückwärtigen (West-) Empore wurde von dem Hannoverschen Orgelbauer Becker ein wesentlich größeres, zweimanualiges Instrument mit folgender Disposition gebaut:

 
Hauptmanual   Obermanual   Pedal  
Bordun
Principal
Gemshorn
Rohrflöte
Gambe
Oktave
Oktave
Mixtur (3-fach)

16'
8'

8'
8'

8'
4'
2'
2'

Geigenprincipal Salicional
Gedakt
Flöte    


Manualkoppel Pedalkoppel
8'
8'
8'
4'  
Subbass
Principalbass
Bordun
Oktave  

16'
8'
8'
4'  

 

Der Spieltisch stand links, d.h. der Organist konnte in den Altarraum blicken(!), der Blasebalg war rechts untergebracht, die Empore gut einen Meter vorgezogen, zwei zusätzliche Stützen ermöglichten die notwendige Vergrößerung der Empore. Anlass zu diesem Ortswechsel war die Auffassung, dass sich die Orgel an einem völlig unpassenden Platze befindet: "Eine Orgel muß gegenüber vom Altar sein!" hieß es in einer Visitationsakte aus dieser Zeit. Der in Hannover bekannte Architekt, Baurat C. W. Hase hat sich besonders für diesen Orgelneubau engagiert, der Klang wird als mächtig beschrieben. Die barocke Altarorgel blieb - ungespielt - an ihrem Ort und verfiel zusehends, bis in die 50er Jahre dieses Jahrhunderts.

Es gehört zu den Kuriosa der (Schloß Ricklinger) Orgelgeschichte, dass im Jahre 1917 - zu Kriegszwecken - Zinnpfeifen requiriert wurden. Ein Teil der Pfeifen der Becker-Orgel musste abgeliefert werden. Der Zinngehalt der Pfeifen des alten Instruments war jedoch zu niedrig, so dass hieran kein Interesse bestand.

Man darf bezweifeln, ob die Schloß Ricklinger mit dieser Orgelsituation - ein (zu) mächtiges Instrument im Rücken, eine stumme Ruine im Blick - glücklich gewesen sind. Unmittelbar nach dem 2.Weltkrieg meldete sich 1947 der Orgelrevisor Pastor Drömann zu Wort, der sich wohl am intensivsten mit der Orgelsituation dieser Kirche geschäftigt hat. Nach seinem ersten Besuch schrieb er über die Becker-Orgel:
"Im Laufe der Zeit hat sich sehr viel Schmutz und Staub in der Orgel angesammelt, so dass eine Generalreinigung des ganzen Werkes unumgänglich nötig geworden ist. Mit dieser Generalreinigung sollte man auf alle Fälle auch eine Klangverbesserung verbinden, zumal das Werk sehr wenig zur Darstellung der gottesdienstlichen Orgel-Literatur geeignet ist und in keiner Weise klanglich in den schönen Barock-Kirchenraum hineinpasst. Die Zeit, in der man diese Orgel baute und gleichzeitig die kleine Barock-Orgel über dem Altar stillegte, hatte kein Verständnis für die Klangpracht des Barock. Da in absehbarer Zeit kaum die Möglichkeit bestehen wird, die Orgel über dem Altar wieder herzustellen, sollte man wenigstens die grössere Orgel auf der Westempore so gestalten, dass sie ein für den Barock-Kirchenraum würdiges Instrument wird." (es folgt ein Vorschlag).
 In den folgenden Jahren änderte er jedoch seine Meinung und engagierte sich nachdrücklich für die Rekonstruktion des barocken Instruments (dessen Baujahr er nach 1694 ansetzte) und machte Angaben über die ursprüngliche Disposition, die von dem oben zitierten "Contract" abweichen. Vor allem aber äußerte er den ungewöhnlichen Vorschlag, beide Orgeln zu erhalten, da ihr "verschiedener Klangchrakter" sich in interessanter Weise ergänzen würde und sich so "die äußerst seltene Gelegenheit zum Musizieren doppelchöriger Werke aus der Zeit der Entstehung der alten Orgel" böte. Fehlende Finanzen standen dem jedoch entgegen.  Stattdessen wurde die westliche Orgel 1959 abgerissen (und, nach fehlgeschlagenen Verkaufsbemühungen kostenlos nach Isernhagen abgegeben), die Empore in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt und auf Initiative des rührigen Pastor Drömann bei der Fa. Hammer (Hannover-Hemmingen) eine einmanualige Orgel in Auftrag gegeben, die sich an der mutmaßlichen Disposition der Barockorgel orientieren sollte. Im Jahre 1963 (man hatte sich notgedrungen jahrelang mit einem Hammonium beholfen) wurde das neue Instrument mit folgenden Registern fertig gestellt:


Manual   Pedal      
Principal
Gedackt
Spitzflöte 
Oktave
Quinte Blockflöte
Mixtur

Trompete
(halbe Länge)

 

4'
8'
4'
3'
1 1/3'
1'
3fach
8'
Principal
Rohrflöte
Bauernflöte
Dzlzian
(halbe Länge)
Trompete
(halbe Länge)Tremulant  
4'
8'
1'
16'

8' 
   
 
Über diesem Instrument stand kein guter Stern. Pastor Schröter notierte im März 1963: "Mit unserer Barockorgel haben wir viel Kummer!" Die Wiederverwendung der originalen Windlade führte zu erheblichen Komplikationen, die den Orgelbauer zu nachträglichen Preisforderungen veranlassten, was wiederum zu jahrelangen Streitigkeiten zwischen der Kirchengemeinde und der Fa. Hammer führte. Noch länger wurde um eine Holzabdeckung(!) gestritten, die schließlich im Jahre 1966 von einem Schloß Ricklinger Tischler geliefert wurde.

Ab 1970 gab es erste Klagen des Organisten J. Thorndike über Mängel, die vermutlich durch trockene Heizungsluft bedingt waren. Diese Klagen, vor allem über sogen. "Heuler" (stehende Klänge, obwohl keine Taste angeschlagen ist) häuften sich in den 70er und 80er Jahren so sehr, dass etwa ab 1985 über eine gründliche Renovierung oder einen Neubau nachgedacht wurde.

Anfang der 90er Jahre häuften sich die anfallenden Reparaturarbeiten an der Orgel. Es waren vor allem die Heuler, verursacht durch Risse im Inneren der teilweise historischen Windlade, die sich durch einen Fachmann zwar kurzfristig abstellen ließen, aber schon nach wenigen Monaten dem Organisten das Leben aufs Neue schwer machten. Hinzu kam, dass sowohl von Organisten wie externen Fachleuten konzeptionelle Kritik an der 1963 fertig gestellten Hammer-Orgel geäußert wurde. Diese Kritik bezog sich auf fehlende wichtige Register (Prinzipal 8', ein 16'-Register im Pedal), fehlende Töne in der unteren Oktave (cis, dis; dies ist durchaus barocke Praxis gewesen!) sowie ein fehlendes 2.Manual, wodurch bestimmte Orgelliteratur, bei der zwischen verschiedenen Registern schnell gewechselt werden muss, praktisch kaum spielbar war. Die Schwächen der vorhandenen Orgel sind nicht nur den Erbauern anzulasten, sie sind teilweise auch durch die ungewöhnliche räumliche Enge bedingt, wodurch Pfeifen ab einer bestimmten Länge nicht mehr untergebracht werden können. Das Instrument wurde vom zuständigen Orgelrevisor, W.Westphal aus Rinteln, mehrfach begutachtet, er plädierte eindeutig gegen eine aufwendige Reparatur und für einen Neubau. Nur, wie sollte ein neues Instrument aussehen.

Ab 1995 setzte ein intensiver Diskussionsprozess ein, an dem der Kirchenvorstand, der von ihm eingesetzte Arbeitskreis Kirchenmusik sowie etliche Fachleute von außerhalb beteiligt waren. An dieser Stelle sei den Orgelrevisoren Westphal und Funk, dem seinerzeitigen Orgelbeauftragten der Landeskirche (Droszella), den Orgelbaufirmen Bente, Janke, Junker und Rietzsch sowie dem Interpreten Matthias Eisenberg für ihre aufwendige Beratung, für Entwürfe und Diskussion von immer neuen Dispositionen gedankt.

Es waren im Kern wenigsten fünf verschiedenen Konzeptionen, die diskutiert wurden:
 
1. Ankauf einer sogenannten Computerorgel
Die Vorführung durch die Fa. Ahlborn war beeindruckend, eine Anschaffung wäre aber von etlichen Ungewissheiten (Haltbarkeit, Finanzierung) begleitet gewesen und von vielen als in diesem historischen Kontext unpassend empfunden.

2. Eine neue Orgel am alten Ort (d.h. hinter dem Altar)
Vorteil: ursprünglicher Zustand, die Orgel klingt aus dem Altar heraus
Nachteil: Organist hat keinen Sichtkontakt mit Pastor bzw. Musikern; 8-Fuß-Register im Manual und 16-Fuß-Register im Pedal sind nur schwierig zu realisieren. Als eine spezifische (kostenintensivere) Variante wurde auch die Rekonstruktion des ursprünglichen Instrumentes am originalen Standort diskutiert.
 
3. Eine neue Orgel auf der rückwärten (West-) Empore
Vorteil: Organist kann in den Altarraum blicken; etwas mehr Platz für die Orgel.
Nachteil: Der sichtbare Orgelprospekt ist stumm.

4. Eine zweiwerke Orgel, bestehend aus der alten Orgel sowie einer kleineren neuen Orgel (6-8 Register) mit Spieltisch auf der rückwärten Empore.
Von diesem Spieltisch aus kann über ein 2.Manual zuglich die Altarorgel (bzw. die besten Register in ihr) bespielt werden. Die Übertragung geschieht elektrisch, die Pfeifen und Register werden über Elektromagneten gesteuert.

Vorteil: Reizvolles räumliches Klangbild; der Organist sitzt am "richtigen" Ort, der Altar klingt!
Nachteil: zusätzliche Kosten für die Datenübertragung vom Spieltisch zu den entfernten Pfeifen; schwer zu kalkulierende Reparaturanfälligkeit der Übertragungstechnik.

5. Anschaffung eines mobilen Orgelpositivs (Aufstellugn im Altarraum), das später in einen Orgelneubau auf der West-Empore integriert werden kann.
In den Jahren 1995 bis 1997 gab es insgesamt sechs Angebote der oben genannten Orgelbaufirmen sowie weitere Dispositionsvorschläge (M.Eisenberg, K.Kupschus), die an einem dieser fünf Modelle orientiert waren. Sah es zunächst so aus, dass die Gemeinde sich für eine Rekonstruktion des mutmaßlichen Originalinstrumentes entscheiden würde (Vorschlag Droszella), so folgten wir 1997 dem Rat des Orgelrevisors Westphal für das Angebot der Fa. Janke (das 1998 noch einmal modifiziert wurde), also einen an den historischen Gegebenheiten orientierten Neubau. Der einzige "Nachteil" dieses Entwurfs, der fehlende Sichtkontakt zwischen Spieltisch und Altarraum, im Gottesdienst genau so wichtig wie im Konzert, soll durch eine Videoanlage aufgehoben werden. Am 6.Juli 1998 beschloss der Kirchenvorstand der Gemeinde den Neubau der Orgel durch die Fa. Janke.

Rudolf Janke zählt in Deutschland zu den renommiertesten Orgelbauern, er kann das neue Instrument im folgenden selbst am besten beschreiben.


(geschrieben von Klaus-Ernst Behne)
 


"Der Bau der neuen Orgel"

Die in den 60er Jahren gebaute Orgel wurde unter Verwendung von drei Windladen (Kernstücke) aus der ursprünglichen Orgel neugestaltet. Dieser Umstand hatte zur Folge,dass nur ein begrenzter Tonumfang sowie eine sehr begrenzte Disposition (Registerauswahl) möglich war, was auf die Dauer unbefriedigend sein musste. Da die Orgel dicht unter die Decke gedrängt wurde, waren nur Pfeifen in 4-Fuß (4')-Länge unterzubringen. Wenn diese Pfeifen gedeckt werden, haben sie eine 8'-Tonhöhe, das ist die normale Tonhöhe wie auf dem Klavier. Eine etwas umfangreichere Orgel sollte aber auf einem offenen 8' und einem gedeckten 16' basiert sein. Die Pfeifen sind dann etwa 2,60 m lang. Bei der Neugestaltung der Orgel war das das Hauptproblem, da die ausreichende Deckenhöhe nicht vorhanden ist. Die äußeren zwei tiefer gesetzten Teile des Orgelgehäuses enthielten früher das Pedalwerk. Das Manualwerk war in dem höher stehenden Mittelteil untergebracht. So hatte die Orgel nur ein Manual und das Pedal. Für ein etwas anspruchsvolleres Spiel ist aber eine zweimanualige Orgel notwendig. Nachdem schon vorher die verschiedensten Vorschläge gemacht worden waren, legte ich - aufgrund der Empfehlung des zuständigen Orgelrevisors Wolfgang Westphal aus Rinteln - meinen Vorschlag vor, der noch von dem später hinzugezogenen Orgelrevisor Hans Ulrich Funk aus Herzberg modifiziert wurde. So ergab sich der nun ausgeführte Vorschlag. Hierbei ist das Hauptwerk außen in den Türmen und das Nebenwerk in den Mittelfeldern untergebracht. Das Pedal ist in einem eigenen Gehäuse hinter der Orgel aufgebaut und klingt durch die Ecke links von der Orgel in den Raum. Dier Pfeifen sind länger als die Raumhöhe hinter der Orgel erlaubt und sind deshalb in den tiefsten Tönen "gekröpft", d.h. umgeknickt, was klanglich nicht von Nachteil ist (Trompeten sind auch "gekröpft").Da die Orgel nur von hinten gespielt werden kann, ist eine technisch äußerst komplizierte Anlage notwendig, gemessen an der bescheidenen Größe der Orgel. Der Spieltisch ist gesondert von der Orgel abgesetzt, er ist "freistehend". Die Spielmechanik muss nach den Seiten weit weggeführt werden, was zwei große Wellenbretter für das Hauptwerk sowie je ein Wellenbrett für das Pedal und das Nebenwerk erfordert. Auch die Registermechanik ist kompliziert angelegt. Der gesamte technische Apparat ist auf Dauerhaftigkeit angelegt, so dass die Orgel nicht wieder nach 30 Jahren erneuert werden muss. Es wurden edelste Materialien verwendet. Das klangliche Konzept ist so angelegt, dass die Orgel sehr farbig klingt und mit ihren 13 Registern eine große Bandbreite in der Literatur abdeckt. Hier ist es Sache des Orgelbauers, aus dem geplanten Konzept etwas zu machen. Einige alte Pfeifen konnten noch verwendet werden. Die Bauform und die "Mensur", d.h. die Bestimmung aller Maße der sehr verschieden gebauten Pfeifen sowie die Tonhöhen derselben auf einer bestimmten Taste machen einen Teil des Klanges der Orgel aus. Die wichtigste Komponente ist jedoch die Intonation, d.h. das Erwecken jeder einzelnen Pfeife zum charakteristischen, guten Klang. Diese Sache ist allein dem Intonateur oder besser, den Intonateuren überlassen, die an Ort und Stelle, am Spieltisch und an der Orgel, in wochenlanger Arbeit zusammen den Klang der Orgel gestalten und dem Raum anpassen, nachdem die Pfeifen schon monatelang vorher in der Werkstatt zum Klingen gebracht worden sind.Ein solches Werk gelingt dann gut, wenn eine Kirchengemeinde genügend Ausdauer hat, ein derartiges Projekt durchzuziehen, die planenden Personen (Orgelrevisoren) dahinter stehen und die Orgelbaufirma mit ihren Mitarbeitern ihre Erfahrungen aus vielen zuvor gebauten Orgeln einbringt. Dass diese Voraussetzungen beim Bau dieser Orgel erfüllt wurden, ist anzunehmen. Ich wünsche der Kirchengemeinde Schloß Ricklingen, dass die Orgel zum Lobe Gottes und den Menschen zur Freude recht lange gespielt wird.  

(geschrieben von Rudolf Janke)

Die Disposition der neuen Orgel:  
1.Manual   2. Manual   Pedal  
Principal
Gedackt
Octave
Sesquialtera
Octave
Mixtur
8'
8'
4'
2f
2'
3-4f
Rohrflöte
Flöte
Nasat
Gemshorn
Sifflöte
8'
4'
2 2/3'
2'
1'
Subbass
Octavbass
16'
8'
Koppeln: I - P,   II - P,   II - I  / Tremulant für beide Manuale